von 07.09 - 09.09.2007 in Rödelheim

Anstelle der Ergebnisse und des Spielplans findet ihr hier den Bericht aus der "Frankfurter Rundschau", da der sportliche Wettkampf an diesen Tagen im Hintergrund steht.



Just Kick It - Turnier
Den Flüchtlingen ein Gesicht geben
von Philipp Schläger

Müde wischt sich der Wiesbadener Martin Weiss den Schweiß von der Stirn. Gemeinsam mit seinen "Droogs" ("Kumpels" nach dem Film "Clock Work Orange") hat er gerade eine schwere Niederlage im Spiel gegen die "Turbine Westend" aus Frankfurt einstecken müssen. Dennoch, die gute Laune Weiss' lässt sich davon nicht trüben

"Hier gehts ja nicht in erster Linie ums gewinnen". Seine "Droogs" haben ebenso wie das Wiesbadener Team "Abseitsfalle" gemeinsam mit dem Rödelheimer Verein "Zusammen" das große antirassistische Fußballturnier "Just kick it II" auf der Rödelheimer Kullmanswiese organisiert. Und die Resonanz sei mit rund vierzig teilnehmenden Mannschaften großartig, sagt Weiss. Flüchtlinge aus Heimen in Oberursel und Hofheim seien dabei, ebenso zahlreiche andere Jugendliche aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet

"Wir wollen die Flüchtlinge mit diesem Turnier aus ihren Ghettos holen und ihnen ein Gesicht geben", erklärt Frank Eichhorn von der Wiesbadener "Abseitsfalle", während er gerade ein Spiel seiner Mannschaft gegen die "Piranhas" pfeift.

Hinter Kochplatten arbeiten Niki Vladusic und Murat Özkilinc von dem Caterer N+M Gourmet Catering bei der Vorbereitung von italienischem Essen, das gegen Spenden ausgegeben wird. Aus den Boxen klingt deutsch-türkischer HipHop. Die Idee für das nicht-kommerzielle dreitägige politische Fußballfest mit einer Parade durch Rödelheim am Freitag, einem großen Turnier am Samstag und einem Kinderturnier am Sonntag sei ihnen anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2006 und dem WM-Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" gekommen, sagt Paul Hirsch, Mitinitiator des im Oktober 2006 in Rödelheim gegründeten Vereins "Zusammen".

"Wir haben dem das Motto ,Freunde schiebt man nicht ab' entgegengesetzt", so Hirsch. Denn trotz WM halte der Staat bis heute tausende Flüchtlinge unter unmenschlichen Bedingungen in Heimen oder Abschiebehaft fest, um sie in Länder wie beispielsweise Irak oder Afghanistan abzuschieben.

Mit der zweiten Auflage von "Just kick it" liege nun der Schwerpunkt unter dem Motto "Mut zur Wut!" auf dem Protest gegen die Abschiebung eines ehemaligen Turnierteilnehmers. Noch im vergangenen Jahr hatte der damals in einem Oberurseler Flüchtlingsheim einquartierte Jugendliche Serif selbst als Spieler an dem antirassistischen Fußballturnier teilgenommen. "Trotz massiver Proteste", so Hirsch, sei Serif nach mehreren gescheiterten Versuchen in einem Privatjet in die Türkei gebracht worden.

Auch der Moscheenstreit sei in diesem Jahr ein Thema, sagte Hirsch. Die Stadtteilinitiative sei zwar nicht unbedingt für den Bau von Gebetshäusern, "egal ob christlich, jüdisch oder muslimisch". Dennoch wende sie sich gegen eine Bürgerinitiative, die eher diffuse Ängste schüre als zu einer Versachlichung der Diskussion beizutragen. "Da stellt sich für uns schon die Frage, welche Motivation tatsächlich dahinter steckt".

Frankfurter Rundschau 10.09.2007 - Link