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Just Kick It - Turnier
Den Flüchtlingen ein Gesicht geben
von Philipp Schläger
Müde
wischt sich der Wiesbadener Martin Weiss den Schweiß von der Stirn.
Gemeinsam mit seinen "Droogs" ("Kumpels" nach dem
Film "Clock Work Orange") hat er gerade eine schwere
Niederlage im Spiel gegen die "Turbine Westend" aus Frankfurt
einstecken müssen. Dennoch, die gute Laune Weiss' lässt sich davon
nicht trüben
"Hier gehts ja
nicht in erster Linie ums gewinnen". Seine "Droogs" haben
ebenso wie das Wiesbadener Team "Abseitsfalle" gemeinsam mit
dem Rödelheimer Verein "Zusammen" das große antirassistische
Fußballturnier "Just kick it II" auf der Rödelheimer
Kullmanswiese organisiert. Und die Resonanz sei mit rund vierzig
teilnehmenden Mannschaften großartig, sagt Weiss. Flüchtlinge aus
Heimen in Oberursel und Hofheim seien dabei, ebenso zahlreiche andere
Jugendliche aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet
"Wir wollen die
Flüchtlinge mit diesem Turnier aus ihren Ghettos holen und ihnen ein
Gesicht geben", erklärt Frank Eichhorn von der Wiesbadener
"Abseitsfalle", während er gerade ein Spiel seiner Mannschaft
gegen die "Piranhas" pfeift.
Hinter Kochplatten arbeiten Niki Vladusic und Murat Özkilinc von dem
Caterer N+M Gourmet Catering bei der Vorbereitung von italienischem
Essen, das gegen Spenden ausgegeben wird. Aus den Boxen klingt deutsch-türkischer
HipHop. Die Idee für das nicht-kommerzielle dreitägige politische Fußballfest
mit einer Parade durch Rödelheim am Freitag, einem großen Turnier am
Samstag und einem Kinderturnier am Sonntag sei ihnen anlässlich der Fußballweltmeisterschaft
2006 und dem WM-Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden"
gekommen, sagt Paul Hirsch, Mitinitiator des im Oktober 2006 in Rödelheim
gegründeten Vereins "Zusammen".
"Wir haben dem das Motto ,Freunde schiebt man nicht ab'
entgegengesetzt", so Hirsch. Denn trotz WM halte der Staat bis
heute tausende Flüchtlinge unter unmenschlichen Bedingungen in Heimen
oder Abschiebehaft fest, um sie in Länder wie beispielsweise Irak oder
Afghanistan abzuschieben.
Mit der zweiten Auflage von "Just kick it" liege nun der
Schwerpunkt unter dem Motto "Mut zur Wut!" auf dem Protest
gegen die Abschiebung eines ehemaligen Turnierteilnehmers. Noch im
vergangenen Jahr hatte der damals in einem Oberurseler Flüchtlingsheim
einquartierte Jugendliche Serif selbst als Spieler an dem
antirassistischen Fußballturnier teilgenommen. "Trotz massiver
Proteste", so Hirsch, sei Serif nach mehreren gescheiterten
Versuchen in einem Privatjet in die Türkei gebracht worden.
Auch der Moscheenstreit sei in diesem Jahr ein Thema, sagte Hirsch. Die
Stadtteilinitiative sei zwar nicht unbedingt für den Bau von Gebetshäusern,
"egal ob christlich, jüdisch oder muslimisch". Dennoch wende
sie sich gegen eine Bürgerinitiative, die eher diffuse Ängste schüre
als zu einer Versachlichung der Diskussion beizutragen. "Da stellt
sich für uns schon die Frage, welche Motivation tatsächlich dahinter
steckt".
Frankfurter Rundschau
10.09.2007 - Link
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